Brennender Zirkus (oder 'Wie lösche ich einen Clown?')
Ein Reisezirkus in Dänemark war in Brand geraten. Der Direktor schickte daraufhin einen Clown, der schon zur Vorstellung geschminkt und angezogen war, in das benachbarte Dorf, um dort Hilfe zu holen, zumal die Gefahr bestand, dass über die abgeernteten, ausgetrockneten Felder, das Feuer auf das Dorf übergreifen würde. Der Clown eilte in das Dorf und bat die Bewohner, sie möchten eiligst zum brennenden Zirkus kommen und löschen helfen. Aber die Dörfler...
...lachten ihn aus, da sie dachten, dass dies ein Witz sei. Dem Clown war es aber ernst. Um dies zu beweisen, brüllte der Clown aus Leibeskräften, zog seinen übergrossen Schuh aus und bedrohte die Dörfler damit. Diese sahen, dass der Clown es (wohl) ernst meinte, und sie begannen nach Wasser zu suchen. Die Gegend war zu dieser Zeit ziemlich trocken, und weder der Brunnen, noch der Fluss der am Dorf vorbeifloss, führten Wasser. Also musste man das Feuer anders löschen. Der Vorschlag, das Feuer zu ersticken, indem man einfach den Sauerstoff vom Brandherd wegpumpen würde, wurde abgelehnt, weil man zuerst einen Luftdichten Raum drumherum hätte bauen müssen. Das wäre eindeutig zu lange gegangen. Also beschloss man das Feuer zuzudecken. Da gab es aber das Problem, dass Abdeckspäne Mangelware waren, und Decken wollten die Dorfbewohner nicht benutzen. Es wäre ihnen in der Nacht zu kalt, war die Begründung. Plötzlich kam jemand auf die geniale Idee, den Clown aufs Feuer zu werfen, da dieser so schöne breite Hosen besass. Der Clown wehrte sich gegen diesen Vorschlag heftig und bedrohte die Dörfler mit seinem Schuh. Aber plötzlich packten zwei starke Kerle den Clown von hinten, und banden seine Hände und Füsse um einen Stock und trugen ihn so zum Brandherd. Der Clown schrie und fluchte, es nutzte aber nichts. Beim Brandherd angekommen, banden die Dörfler den Clown los und warfen ihn ins Feuer. "Immer auf dem Rücken bleiben, dort brennts noch", brüllten die Dörfler. Der Clown hatte seinen liebe Mühe, das Zelt zu löschen, aber schliesslich brannte das Zelt nicht mehr. Dafür brannte jetzt der Clown. Die Dörfler begannen zu überlegen, wie sie ihren Helden löschen könnten. Jemand schlug vor, dass der Clown so schnell wie möglich loslaufen sollte, damit der Wind die Flammen erlösche. Da der Clown jedoch wegen seiner übergrossen Schuhe nicht so recht an Tempo gewann, mussten die Dörfler etwas anderes versuchen. Zunächst probierten sie den Clown mit Gras zu bedecken. Das schlug jedoch fehl, weil die Grashälmchen verglimmten. Ein kleiner Gnom schlug vor, die Flammen zu verletzen, indem man sie mit Steinen bewarf. So würden die Flammen zurückgehen. Diese Erklärung schien allen plausibel, und die Dörfler fingen an, den Clown zu steinigen. Als nach einiger Zeit der Clown immer noch brannte, liessen die Dörfler das Werfen sein. Der Clown, blau von den Steinen und bereits leicht angekohlt, fiel zu Boden und rollte langsam den Berg hinunter. Da geschah das für die Dörfler unfassbare. Der Clown erlosch, da durch das hinabrollen die Flammen die Flammen erstickt wurden. "Jesus, er ist Jesus", kreischte ein Dörfler. "Quatsch, er ist der Papst. Jesus ist schon lange tot", labberte ein anderer. Man einigte sich darauf, dass er ein Heiliger sei und ein Held. Die Dörfler trugen den verkohlten und immer noch bewustlosen Clown in ihr Dorf. Sie pflegten ihn gesund, und gaben ihm den Namen 'Phoenix aus der Asche.' Schliesslich schickten sie ihn weg und hatten eine wichtige Lektion gelernt. Man sollte einem um Hilfe bittenden Menschen immer Beachtung schenken, ganz gleich, wie er aussieht oder was er tut. Die Bewohner nahmen diese Lektion mit in ihr Leben, besuchten öfters den Zirkus und lebten glücklich, bis, ja bis das Dorf anfing zu brennen, weil keine Eimer vorhanden waren. Aber das ist eine andere Geschichte.