Glück
Es war einmal eine wunderschöne Frau, die an einer Weggabelung stand. Hinter ihr stand ein Wegweiser, mit zwei hölzernen Tafeln, die in die jeweils entgegengesetzte Richtung der Wege zeigten. Auf dem einen Pfeil stand in dunklen, ins Holz geschnitzten Lettern: Glück. Auf dem anderen stand das selbe. Der eine Weg führte zu einem Verkaufsstand, bei dem Glückssteine verkauft wurden. Der andere Weg führte auf einen steilen Berg, wo die selben Steine zu finden waren, die auch am Stand verkauft wurden.
Eines Tags, der Himmel war blau und nur mit kleinen Wölkchen durchsetzt und die Sonne wärmte die Luft auf, kamen drei Herren des Wegs. Zwei suchten das Glück, während der Dritte nur Spazieren ging und das Wetter genoss. Als sie an der Gabelung ankamen, freuten sich die zwei Glücksuchenden sehr, denn sie glaubten am Ziel ihrer Suche zu sein.
Der eine sagte: „Da beide Wege zum Glück führen, werde ich mir den harten Weg auf den Berg sparen und mir einen Stein hier kaufen.“ Er ging zum Stand, kaufte sich einen Stein, für den er alles Geld hinlegen musste das er hatte. Er freute sich sehr, dass er endlich sein Glück gefunden hatte und lief fröhlich über die Strasse, wo ihn ein Tram überfuhr.
Der zweite, der das sah und auch das Glück suchte sagte: „Da diese Steine da zweifellos Fälschungen sein müssen, werde ich auf den Berg klettern und mir einen Stein selber holen.“ Er brauchte ein Jahr, um den Berg zu erklimmen. Als er oben war, nahm er sich einen Stein und freute sich sehr, dass er endlich sein Glück gefunden hatte. Er freute sich so, dass er beim Abstieg nicht sehr auf den Weg achtete, ausrutschte, abstürzte und starb.
Der Dritte, der nur einen Spaziergang gemacht hatte, schaute eine Weile die beiden Wege an und trat dann an die wunderschöne Frau heran, die ihn schon eine ganze Weile zu beobachten schien und fragte sie, welcher Weg denn zum wahren Glück führe. Diese antwortete: „Keiner! Glück kann man sich weder erkaufen, noch durch hartes Suchen erzwingen. Das Glück findet den Weg selber und lässt sich nicht lenken.“
Nachdenklich blickte der Mann in die Ferne während die Frau ihn anstarrte. Nach einer Weile hörte er die Frau sagen: „Hast du heute schon etwas vor?“. Mit diesen Worten hängte sich die Frau mit ihrem Arm, in den Arm des Mannes ein und sie entfernten sich langsam auf dem Weg, auf dem der Mann gekommen war. Er war überglücklich....