Ein Tag im Leben von Herr N.


Eine Wiese. Eine weite Blumenwiese und ich sitze mittendrin. Auf meinem Schoss der Kopf einer Frau die mich anlächelt. Wir küssen uns und ich bin überglücklich, bis plötzlich ein ohrenbetäubendes Geräusch die Idylle zerstört. Wenig später finde ich mich in meinem Bett wieder und erkenne das Geräusch als das meines Weckers wieder. Ich lasse meine Faust herzhaft auf den Wecker sausen und bringe ihn so zum schweigen. Einige Zeit lang gucke ich noch an die Decke und stehe dann auf und mache meiner Katze Platz, die schon ungeduldig drauf wartet, in meinem Bett zu schlafen. Ich begebe mich ins Badezimmer, wasche mir den Schlaf aus den Augen und gehe dann in die Küche um etwas zu essen. Während ich an meinem Brot kaue, denke ich über meinen Traum nach. „Hätte ich doch bloss weitergeschlafen“, denk ich mir und trinke meinen Morgentee aus. Danach werfe ich ein paar Bücher in meinen Rucksack, ziehe mich um, putze die Zähne und besteige mein getreues Fahrrad, das schon ziemlich viel erlebt hat und dementsprechende Spuren hat.


Ich trete auf den Pedalen rum um gurke in Richtung meiner Schule. Kurz vor der Schule gibt dann das Fahrrad auf, weil sich die Kette irgendwie an den Pedalen eingeklemmt hat und ich nicht mehr treten kann. Mit dem letzten Schwung erreiche ich den Fahrradständer der Schule und lasse das Fahrrad dort stehen. Ich trotte in ein Zimmer, setze mich hinter einen Tisch und versuche noch ein wenig zu schlafen. Aber gleich darauf kommt der Lehrer ins Zimmer und beginnt mit seinen Ausführungen über Integral und Differential und wie wichtig es ist, dass man die Steigung berechnen muss. Mir dreht sich indes der Kopf und mir wird schwindlig. Nach grausamen 45 Minuten hat der Spuk erstmal ein Ende.


In der nächsten Stunde muss ich mir meine furchtbare Mathe-Prüfung ansehen, die mal wieder grausam schlecht gelaufen ist, obwohl ich so ein gutes Gefühl hatte. Die ersten Anzeichen einer Depression machen sich breit, weil ich beginne, an meiner Prüfung zu kauen. Glücklicherweise ist die Stunde vorbei, bevor ich dem Lehrer den Taschenrechner anwerfen kann und wir wechseln die Gebäude um eine gemütliche Englischstunde zu verbringen.


Leider weiss der Englischlehrer nichts besseres, als uns irgendwelche Grammatikübungen vorzusetzen. Er sagt uns zwar, was falsch und richtig ist, aber eine Regel bekommen wir nicht zu Gesicht. Nachdem der Grammatikhorror ein Ende hat, haben wir eine grössere Pause.


Ich begebe mich in die Mensa und treffe eine Kollegin. Wir beginnen uns ein wenig zu unterhalten, doch leider kommt irgend ein anderer Typ daher und beginnt unsere Unterhaltung zu stören. „Was soll das“, denk ich mir, während ich mir überlege, wie ich den Kerl um die Ecke bringen könnte. Zu seinem Glück entfernt er sich, bevor ich eine Waffe in die Hände bekomme. Ich unterhalte mich noch ein wenig mit der Kollegin und dann ist die Pause leider vorbei. Das kleine Glücksgefühl das in mir aufkam während dieser Diskussion verschwindet schnell wieder, da Französisch auf dem Plan steht.


Wir diskutieren über dies und das, aber meine Gedanken schweifen wieder zur Matheprüfung und zu dem Rüpel, der in unsere Diskussion 'eingegriffen' hat. In meinem Kopf brauen sich dunkle Wolken zusammen und mein Blick verdüstert sich. Ich fühle mich plötzlich alleine und mir wird kalt.


Schlotternd und zitternd verlasse ich am Ende der Stunde das Zimmer und begebe mich nach Hause um etwas zu Essen. Die zweistündige Mittagspause nutze ich um ein kleines Nickerchen zu machen. Ich träume, dass ich in der Schule bin. Ich stehe alleine in der Mensa. Von der einen Seite kommen die Lehrer und werfen mit meinen schlechten Prüfungen um sich. Auf der anderen Seite laufen alle Schulkollegen von mir weg und wollen nichts mit mir zu tun haben. Ich stehe allein in der Mensa, sinke auf die Knie und beginne zu weinen. Plötzlich kommt Kurt Cobain von der Seite auf mich zu und bietet mir seine Schrottflinte an. Dann wache ich auf und merke, dass ich in die Schule sollte. Ich wische mir die Tränen von der Wange und fahre zum Turnunterricht.


Dort werde ich das Opfer vom Turnlehrer. Er behauptet, ich laufe zu langsam zu den Übungen oder setze mich nicht ein oder sonst was. Schlussendlich schickt er mich nach Hause und ich verlasse die Turnhalle. Ich ziehe mich um und benutze die restliche Zeit bis zur nächsten Stunde, um ein wenig zu spazieren.


Ich laufe an einem Fluss entlang und sinke auf eine kleine Wiese, die sich am Fluss entlang zieht. Ich lege mich auf die Wiese und betrachte die Wolken, die am Himmel entlang ziehen. Lustige Formen entdecke ich doch mein Lächeln macht bald einem ernsten Gesicht platz. Meine Wut und Trauer kommt wieder zurück und ich richte sie gegen den Turnlehrer. Mit wüsten Worten beschimpfe ich ihn und in Gedanken ziehe ich seine Arme zwischen seine Beine und knote sie um seinen Hals. Ich stehe auf und gehe zurück zur Schule um die letzte Stunde nicht zu verpassen – die Biologiestunde.


Dort redet die Lehrerin von DNA und RNA und ähnlichem Zeug. Ich höre nicht so recht zu, weil mir die Wut immer mehr in den Kopf steigt. Am Schluss gibt sie uns noch die Prüfungen zurück. Ich schaue sie gar nicht an, zerreisse sie und werfe sie wie Konfetti um mich, während ich laut lache. Ich sprinte aus dem Zimmer, springe die Treppe runter und laufe zur Brücke, die über den Fluss führt. In der Mitte der Brücke halte ich an, stelle mich ganz nahe ans Geländer und fange an zu schreien. Ich schreie meine gesamte Seele aus meinem Leib und anschliessend springe ich über das Geländer und fliege mit beachtlichem Tempo der Flussoberfläche entgegen. Während dem Flug kommt mir ein Lied von Kurt Cobain in den Sinn und ich beginne es leise zu summen: „I'm on my time with everyone. I have a very bad posture. Sit and drink Pennyroyal Tea! Distill the life that's inside of me!“.


Nachdem ich das ganze Lied gesummt habe, kommt es mir seltsam vor, dass ich noch immer nicht im Fluss liege. Ich sehe mich um und entdecke, dass ich wieder in meinem Bett liege. Ein Blick auf den Wecker verrät mir, dass es 4 Uhr ist. Ich starre zur Decke und wische mir meine Tränen ab. Und während ich dies tue, frage ich mich, was wohl passiert, wenn all die Dinge heute eintreffen, die ich geträumt habe! Ich weiss es nicht und beginne erneut zu weinen.